Eine magische Stimmung empfängt uns, als wir um acht Uhr morgens die Similaunhütte am Niederjoch (3109 Meter) erreichen. Ein Meer aus Wolken versperrt die Sicht ins Tal und die ersten Sonnenstrahlen, die auf die Gletscheroberfläche treffen, lassen den mächtigen Similaun im Licht glänzen. Um fünf Uhr Früh sind wir am Vernagter Stausee (1711 Meter) im Schnalstal (Südtirol) gestartet und durch das Tisental zur Similaunhütte aufgestiegen. Unser Ziel: der 3606 Meter hohe Similaun.
Von der Schutzhütte, die sich auch als Nachtquartier anbieten würde, geht es kurz über Blockwerk zum Niederjochferner. Am anfangs flachen, später aber steil ansteigenden Gletscher halten wir uns am Westrand (meist ausgetretener Steig). Den Schlussanstieg bildet eine steile Firn- oder Eisflanke, die jedoch auf der rechten Seite durch leichte Blockkletterei umgangen werden kann. Danach trennt uns nur noch ein schmaler Grat vom Gipfel, bevor eine einmalige Rundumsicht für die geschafften 1900 Höhenmeter belohnt.
Der Gletscher gilt zwar als einfacher 3000er Südtirols, sollte aber nur mit der nötigen Ausrüstung (Seil, Pickel, Steigeisen) und der nötigen Erfahrung bestiegen werden. Zahlreich Spalten fordern vor allem bei Neuschnee erhöhte Vorsicht. Auch der steile Schlussanstieg und die Höhe sollten nicht unterschätzt werden.