Tag 7 – Schummel-Tag (Schönwetter Tag)
18. August 2010 - 8:51 — admin
Tremalzo – Bocca Caset – Malga Giu – St.Martino – Lago di Ledro – Molina di Ledro – Ponale Strasse - Riva
Galery-day. Haha. Ein Klasse Gefühl. So ähnlich wie der letzte Arbeitstag bevor, man vier Wochen in Urlaub gehen darf. Heute Biken-light. Wir haben in den letzten 6 Tagen ordentlich Höhenmeter geschrubbt und müssen daher wahrhaft kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Gedanken sich jetzt mehr auf die Maß Weißbier und den Rieseneisbecher (traditionell Coppa Joghurt) konzentrieren. Wobei, das stimmt nicht ganz. Eine kleine Hürde nehmen wir noch, doch diese Minitour ist keine Herausforderung mehr, sondern bedeutet vielmehr lockeres ausradeln.
Der Luxus des Morgens ist daher auch, das entspannte Ausschlafen mit anschließendem Frühstück, ohne (!) dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, evtl. zeitlich unter Druck zu geraten. Ob wir nun zur Mittagsstunde in Riva einsegeln oder eine Stunde später: das ist so was von egal. Finalday.
Ok, ok, der aufmerksame Leser wird aufhorchen, sich wundern und einwenden wollen: „Halt stopp, ihr Crosser, wo bleibt denn da der Ehrgeiz? Hätten es am Tage 6 nicht auch noch diese 321 Höhenmeter und 31 Kilometer mehr sein können, damit wäre nicht nur der Gesamt- sondern dann auch der Tagesschnitt (96km, 2043hm) erwähnenswert gewesen, aber so ….?“
Ja, liebe sportlich ambitionierte Leserin, lieber rekordhungriger Leser, ja, es hätte freilich sein können. Getreu meinem Motto „kann man machen, muss man aber nicht“, gilt nämlich: erstens, wären wir dann völlig ausgekühlt und unentspannt zu unserer gewohnten Nachtzeit (19-20h) in Riva eingetroffen und zweitens hätte man dann weder den Sinkflug geschweige denn das „Ankommen“ gebührend celebrieren können. Soviel Zeit muss sein. Wer auf Crossers Pfaden wandelt, der sollte auch das „Landen“ entsprechend würdigen.
So starten wir also an diesem – es ist übrigens wieder bestes Wetter – Morgen nicht nur hoch motiviert, sondern auch entsprechend entspannt. Das Frühstück geht weit über den italienischen Standard hinaus, unsere Herbergsfamilie kümmert sich rührend um uns (was im übrigen der Tourismusverband Trentino auch getan hat, indem wir schon wissen, welches Hotel an diesem Tage in Torbole auf uns wartet. Perfekt).
Auf geht´s. Der Pfad an der sogenannten „Garage Tremalzo“ beginnt unmittelbar vor unserem Albergo Garibaldi und verläuft kurz moderat, bevor er die ersten Anstalten macht sich aufzubäumen. Doch böse ist er nicht. Es wird kurz ruppig, einige schöne Ausblicke offerieren weitere Fotomotive und schließlich folgen wir der Wegweisung in Richtung Bocca Caset auf einen schmalen Trail, der uns die nächste Stunde begleiten sollte. Ein paar Murenabgänge und umgestürzte Bäume, wirklich unpassierbar ist dieser Traumtrail jedoch nicht. Wir grooven über die Wellen, immer mit dem Wissen: Lago, Lago, Lago, wir kommen, Du entkommst uns nicht. Kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, passiert es auch schon: Plattfuss Nummero vier, diesmal gebucht auf meinem Konto. 2:2. Werner grinst wissend, das folgende ist bekannte Routine von vier Händen, jeder Griff sitzt. Etwas verhaltener schreddern wir nun über den Wurzelteppich und meistern konzentriert so manche Technikprüfung. Grund genug für Werner, das übliche Hinauszögern des Ankommens-Orgasmus zu beginnen. „Udo, Mooo…mment, Foto!“ lautet das jeweils knappe Kommando, dem stet das gleiche Ritual folgt: Ministativ auspacken, Motivwahl, Regiebesprechung und Wiederholung der Sequenz, je nach Zufriedenheitsfaktor. „Herrje, mach hinne, ich Durst auf die Maß und Hunger auf den Becher“. Seltsam, unterwegs habe ich 6 Tage lang eigentlich keinen Hunger, aber die letzten 20 Kilometer verzerrt sich mein innerer Detlef nach Weißbier und Joghurteis mit Früchten.
Das südlich gelegene Ufer des malerischen Molina di Ledro umrunden wir geschickt, widerstehen der Versuchung einen Badestopp einzulegen (d.h. ich widerstehe, Werner folgt) und gehen nahtlos auf die letzte Asphalt Abfahrt bis zur Einmündung nach Pregasina über.Nun nur noch den dummen langen Autotunnel bergan durchqueren und dann auf die legendäre und immer wieder sensationelle Pönalestrasse einschwenken. Bis hierhin war Pflicht, nun kommt die Kür. Ladies & Gentlemens, final Countdown, Kurbeln nicht mehr nötig, einfach nur sinken lassen, die sieben Sinne mehr denn je aktivieren und die letzten 20-30 Minuten im Ultra³-Modus genießen. Auf geht’s. Der Fotoapparat hängt vor der Brust, die Videofunktion ist „on“ und der freie Flug im Fall wird dokumentiert, auch die Gänsehaut und der obligate Gänsehautschrei® auf dem Unterarm ist für einen kurzen Moment beim Ortseingang RIVA auf dem Bild. Was für ein Moment. Der Moment.
Leerzeile.
Auf dem Kopfsteinpflaster am Hafen entlang rollen wir grinsend und glücklich an die Kaimauer. „Ey, Weeeeeeeerner !!! High Five. JAAAAAAAAAA!”
Geschafft, erreicht, stolz, happy, lucky, zufrieden, adrenalisiert, euphorisiert, fasziniert, in uns ruhend, aus uns schreiend, erschöpft, mit Flügeln versehen, ergriffen, erhaben, dankbar.
All diese Eigenschaften füllen diesen Moment aus, all diese Gefühle nehmen uns gefangen, halten uns fest, geben uns Halt, schenken uns nur eines: Glück.
So mag es dann auch nicht weiter verwundern, wenn zu berichten ist, das sowohl die Maß Weißbier als auch die Coppa Joghurt zum Gesamtpreis von 2x 14,40€ vorzüglich gemundet haben und wir keinen einzigen Cent dieser Investition - oder konkreter – selbst bezahlten Belohnung bereut haben.*Fin*
Anmerkung des Autors dieser ZeilenSoweit die Tour, soweit die Erzählung hierzu, ich hoffe, die Lektüre hat Euch soviel Spaß gemacht, wie mir das Alpencrossen und das Berichten darüber …
Habt einen Moment Geduld, es folgen noch ein stimmiges Fazit, ein solider Serviceteil, Adressen und natürlich Zahlen, Daten, Fakten …..
Freue mich auf Eure Kommentare und auf eine angeregte Diskussion hier im Blog.
In diesem Sinne, love the ride, EuerUdowww.udokah.de
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